| Vortragender: | Prof. Dr. Christian Wagner, Universität des Saarlandes |
| Datum: | Freitag, 27. März 2026 |
| Zeit: | 14:15 ‑ 14:45 Uhr |
| Raum: | HS II in E2 5 |
| Beitrags-Nr.: | VP 27-049 |
| Hinweis: | Anzahl an Sitzplätzen: 200 |
Blut ist eine komplexe Flüssigkeit, die aus roten und weißen Blutkörperchen besteht, die in einer Proteinlösung namens Plasma suspendiert sind. Bei niedrigen Scherraten bilden rote Blutkörperchen Aggregate, die bei hohen Scherraten aufgelöst werden, was zu ausgeprägtem Scherverdünnungsverhalten führt. Dennoch wird Blut in den meisten medizinischen Simulationen als Newtonsche Flüssigkeit behandelt, vergleichbar mit Wasser. Dank neuer Fortschritte in numerischen Simulationsverfahren und experimentellen Methoden ist es jedoch inzwischen möglich, den Blutfluss anhand der physikalischen Eigenschaften einzelner Zellen zu beschreiben.
Rote Blutkörperchen können aufgrund ihrer hohen Verformbarkeit durch Kapillaren fließen, die kleiner sind als ihr eigener Durchmesser. Dies impliziert eine starke Wechselwirkung zwischen Flüssigkeit und Struktur, die Simulationen kostspielig macht – realistische Simulationen sind auf einige Tausend Zellen begrenzt. Wir präsentieren in vitro-, in vivo- und in silico-Ergebnisse von Zellen in verschiedenen Strömungsgeometrien. Durch den direkten Vergleich der beobachteten Zellformen können wir die mechanischen Konstanten der Zellen abschätzen. In vielen pathologischen Situationen sind die Zell-Eigenschaften jedoch stark verändert, und wir haben unseren KI-basierten Erkennungsalgorithmus genutzt, um ein Werkzeug zu entwickeln, das beispielsweise die Qualität von Blutprodukten beurteilen kann.